Die Brüder Grimm haben die Märchen mit einem geheimnisvollen Mythenmantel umhüllt. Märchen führen unmittelbar zur Regression. Einerseits sagen die Leute: „Erzähl‘ mir keine Märchen“, andererseits weiß jeder: Märchen führen in abgründige Seelenwahrheiten. Märchen sind Erörterung von Wunschphantasien und Ängsten in Gestalt von Erzählungen und Bildern.Es gibt indikationsspezifisches Märchenerzählen. Nur das Mädchen kann im Märchen vom süßen Brei dem überkochenden Töpfchen ein wirksames „Töpfchen steh!“ zurufen. Aber warum ist die Mutter dazu nicht in der Lage?

Ganz anders: Wenn eine Therapie nicht „anläuft“, oder in’s Stocken gerät, dann holt man sich die Erlaubnis, ein Märchen erzählen zu dürfen. Und die Selbstexploration des Klienten ist wieder hergestellt, denn: Wie ist das mit dem Glück vom Hans und der Gier der Fischersfrau?

Ulrich Freunds Märchenseminar ist keines der üblichen C-Seminare. Neben den aus der Arbeit mit Märchen entwickelten binären Therapieansätzen und schnellen Induktionstechniken, bietet es einen Erfahrungsraum, in dem er die Teilnehmer an seinen Möglichkeiten teilhaben lässt, die Magie der Märchen im Rahmen von Beratung und Psychotherapie zu nutzen. Dabei wird auch deutlich, wie sich im Märchen und durch das Märchen Probleme in unerfüllte Wünsche verwandeln, die dann ganz wunderbare Erfüllung finden. Märchen sind immer auch Antworten auf Fragen. Schließlich ist auch Thema, wie es möglich ist, dass durch das Märchenhören unbewusst Konflikte bewältigt werden (Walter Scherf).
Märchen sind Suchfelder, in denen Lösungen versteckt sind. Die Antworten der Märchen werden auch dann wirksam, wenn der Prozess unbewusst bleibt.

Im Seminar wird deutlich

  • wie man mit Märchen, die der Klient in der Erinnerung verformt hat („verzählte“ Märchen), einfühlsam arbeiten kann. Des Klienten abweichende Fassung macht Sinn!
  • wie die Grundfiguren „Pechvogel und Glückskind“, „Hexe und Fee“, „Dümmling und Trickser“, Teilearbeit ermöglichen, weil sich das Konfliktfeld der Klienten darin spiegelt.

Über Ulrich Freund:
Gründer der Milton Erickson Regionalstelle Frankfurt. Eines seiner Spezialgebiete ist der Einsatz von Metaphern und Märchen in der Therapie. Er ist Mitglied im Beirat der Europäischen Märchengesellschaft. Für sein vielfältiges Engagement wurde Ulrich Freund der Freundschaftspreis der MEG verliehen. Er hat die Anfänge der hypnotherapeutischen Nichtrauchertherapie begründet und spezielle Techniken für die dreistündige Kurzzeittherapie in Reha-Kliniken entwickelt.

So fern und doch so nah.  Das besondere Setting der Psychotherapie im Videokontakt (Online-Seminar)

Die meisten KollegInnen haben durch Corona recht plötzlich und ohne Vorbereitung Erfahrungen mit videogestützter Therapie gemacht. Sie werden dabei festgestellt haben: mit Video funktioniert manches besser, manches schlechter und vieles ist einfach anders. Der Aufbau von Rapport und der Einsatz mancher Methoden (die Arbeit mit Hypnose oder mit inneren Anteilen) muss überdacht und angepasst werden.

Die Spezifika und Implikationen der Psychotherapie mit Video werden in diesem Online-Seminar reflektiert: Welche neuen Fragen und Situationen entstehen durch das Setting, was ist zu beachten, welche Potentiale, Herausforderungen und Besonderheiten birgt dieses Medium und was heißt das für unsere therapeutische Herangehensweise? Es wird aufgezeigt, wie das Medium so eingesetzt werden kann, dass den Herausforderungen Rechnung getragen und die Chancen genutzt werden können. Die TeilnehmerInnen bekommen hierfür zahlreiche Tipps und Methoden an die Hand, die sie direkt in ihre therapeutische Praxis einbinden können.

Inhalte werden dabei unter anderem sein:

  • Rapport auf Distanz – über einen Bildschirm?
  • Besonderheiten der Arbeit mit WLAN, Umgang mit Technikabbrüchen
  • Sicherheitsaspekte
  • interaktionelle Überlegungen
  • der sichere, therapeutische Raum: eine Rollenveränderung
  • Chancen und Herausforderungen der Arbeit im Lebensumfeld von PatientInnen: diagnostisch, methodisch, auf Beziehungsebene
  • Implikationen für die Selbstfürsorge.

In einer Kombination aus Informationsvermittlung, erfahrungsorientierten Übungen und gemeinsamem Austausch erhalten die TeilnehmerInnen ein differenziertes Bild der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur traditionellen Arbeit sowie viele Anregungen zu einem guten Umgang damit in ihrer videotherapeutischen Arbeit.

Die Seminarteilnahme ist auf 20 TeilnehmerInnen begrenzt.

Das Seminar ist mit 8 Fortbildungspunkten von der Psychotherapeutenkammer Hessen zertifiziert.

Christina Sümmerer ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin (VT) in eigener Praxis, systemische Therapeutin und Traumatherapeutin. Vor einigen Jahren begann sie neben dem traditionellen Setting mit videogestützter Therapie zu arbeiten und hat sich seither intensiv mit den inhaltlichen Implikationen dieses Settings für die Psychotherapie auseinandergesetzt. Sie gibt Fortbildungsveranstaltungen zur videogestützten Therapie für interessierte Kolleginnen und Teams und hat mehrere Intervisionsgruppen zum Thema ins Leben gerufen.

 

Focusing wurde von Eugene Gendlin ursprünglich im Rahmen von Gesprächspsychotherapie und Psychotherapieforschung entwickelt und vereint in sich die Grundlagen und Elemente vieler körperorientierter Methoden. Aus dem Focusing heraus hat Peter Levine das Somatic Experiencing entwickelt. Einzelne Elemente des Focusing-Prozesses lassen sich im Therapiegespräch sehr einfach zur konversatorischen Tranceinduktion nutzen. Hypnotherapeutische Techniken wie Affektbrücke und Altersregression, Imaginations- und Visualisierungsmethoden oder verschiedene Formen von Teile-Arbeit lassen sich unmittelbar an einen Einstieg mit Focusing anschließen oder ergeben sich daraus wie von selbst. Aus dem NLP kann das Konzept der Submodalitäten hinzugezogen werden, um körperliche Wahrnehmungsfähigkeiten zu erweitern, während Atem-Pacing den Prozess ungemein intensivieren kann. Schließlich ist Focusing auch eine Selbsthilfe-Methode, die sich gut mit Selbsthypnose und ausgewählten Atem- und Meditationstechniken verbinden lässt und von der die TherapeutInnen viel für ihre Selbstfürsorge profitieren können.

Die einzelnen Elemente des Focusing-Prozesses sind für Hypnotherapeuten schnell erlernbar, da sie weitgehend hypnotischen Grundtechniken entsprechen. Auf dem Hintergrund einer entwicklungsfördernden, ressourcenorientierten Grundhaltung werden beim Focusing natürlich angelegte Fähigkeiten und Selbstheilungskräfte systematisch aktiviert. Focusing wird grundsätzlich dialogisch durchgeführt und der Prozess entwickelt sich völlig ideodynamisch. Die Aufmerksamkeit wird hauptsächlich auf körperliche Wahrnehmungen und deren Veränderungen gerichtet, gleichzeitig wird beobachtet, wie sich hieraus Bilder, Symbole, Gefühle, Erinnerungen und Bedeutungen entfalten („felt sense“).

Diese Form der Kommunikation mit dem Unbewussten über den Körper und das intensive Erleben des ideodynamischen Prozesses üben auf den Klienten eine Faszination aus, die seine Aufmerksamkeit absorbiert und ihn mühelos in tiefe Trancezustände gelangen lässt. Der Therapeut braucht diesen Prozess kaum zu lenken oder zu steuern, er bleibt einfach dabei und begleitet eine sich selbstorganisierende Entwicklung. Diese wohlwollend förderliche Begleitung von Erfahrungsprozessen wird mit etwas Übung erstaunlich einfach. Besonders Hypnotherapeuten, die bereits gerne dialogisch und konversatorisch arbeiten, werden durch die Integration von Focusing noch flexibler.

In diesem Seminar werden einige fokussing-basierte Vorgehensweisen in Form von Demonstrationen, Übungen und Gruppentrancen vorgestellt. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der praktischen Integration in das Therapiegespräch und den Therapieprozess. Den Teilnehmern wird so eine sehr einfache und dabei überraschend wirksame Arbeitsweise vermittelt, die unmittelbar in den Therapiealltag und das eigene Leben übertragen werden kann.

Dipl.-Psych. Cornelius Gehrig, Trainer am International Focusing Institute New York und Mitbegründer des Focusing Institutes Berlin. Mediator, Weiterbildung in Prozess- und Suchtarbeit. Psychotherapeutisch tätig an der Klinik für Psychosomatik und Konsiliarpsychiatrie, Kantonsspital St. Gallen/Schweiz. Zusätzlich Praxis für Psychotherapie, Coaching und Supervision mit dem Schwerpunkt auf Focusing-orientierter Psychotherapie in Lindau und Berlin.

Dr. phil. Dipl.-Psych. Dietrich Schauer, Psychologischer Psychotherapeut. Approbation in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Ausbildungen in Hypnotherapie, NLP, zahnärztlicher Hypnose, Focusing und reichianischer Körpertherapie. Mitarbeit an der „Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Hypnotherapie“ bei Dirk Revenstorf. Zuvor Organisation einer Evaluationsstudie in der Fachklinik am Hardberg bei Gunther Schmidt. Promotion bei Jürgen Kriz. Praxis in Berlin.